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Lumen_2015

> PFARRE PFARRKIRCHEN < Das Dorf Pfarrkirchen, „Pfarrkirá áf dá Heh“, liegt am südlichen Ausläufer des Ameisberges auf 817 m Seehöhe. Die Pfarre wurde vermutlich am Anfang des 13. Jahrhunderts von der Mutterpfarre Esternberg abgetrennt, als das Gebiet links der Donau immer besser erschlossen und dichter besiedelt wurde. Daran erinnern die Statue des Apostels und Esternberger Patrons Bartholomäus in der Pfarrkirche und eine weitere in der Schlosskapelle Altenhof. Als Grund, dass der Passauer Bischof abseits aller Verkehrswege eine eigene Pfarre mit einer für das Dorf viel zu großen Kirche errichten ließ, kann nur vermutet werden, dass sie der Repräsentation seiner geistlichen Herrschaft dienen sollte. Die Pfarre ist flächenmäßig recht groß und zählt über 30 Ortschaften. Die Trennung der Pfarre in zwei Bereiche (der Sprengel Altenhof bildet eine eigene Expositur, der westliche Teil der Gemeinde Pfarrkirchen gehört zur Pfarre Oberkappel) ist deutlich spürbar. Zu den aus der Zersplittung rührenden Herausforderungen kommen noch der Mangel an nahen Arbeitsplätzen, die Abwanderung junger Leute in die Ballungszentren und damit der deutliche Schwund an Nachwuchs. Ein gemeinsames kirchliches Zusammenleben zu gestalten ist schwierig, es wird aber laufend daran gearbeitet. Versteckte Meisterwerke Bekannt ist die Pfarre vor allem für die von weitem sichtbare und schöne Barockkirche, um die herum noch der Friedhof erhalten ist. Sie beherbergt wahre Kunstschätze. Als im Pfarrarchiv Auftragsbestätigungen von Meister Giovanni Carlone gefunden wurden, ließ das Bundesdenkmalamt die ganze Malfläche der Kirche untersuchen. Zum Vorschein kamen Fresken Giovanni Carlones aus dem Jahr 1697. Sie wurden gereinigt und zeigen sich nun so, wie sie vor der Übermalung ausgesehen hatten. Die reichhaltige Bilderwelt der Fresken stellt im Kirchenschiff die Kirche auf Erden dar und im Chorraum die Kirche des Himmels, die ein umfassendes Marienlob verkündet. Die Pfarrkirche ist die einzige Kirche, die Carlone zur Gänze in dem damals noch neuen Stil ausgemalt hat. Kunst in der Kirche Das Prunkstück der Kirche ist der mächtige Hochaltar vom Neufeldner Tischlermeister Franz Stadler aus dem Jahr 1735, der in der Kunstszene lange als verloren galt und nur durch Zufall dem erhaltenen Modell zugeordnet werden konnte. Die Orgel der Pfarrkirche ist eine Arbeit von Josef Breinbauer aus dem Jahr 1874. Sie birgt älteren Bestand von Johann Ignaz Egedacher aus dem Jahr 1719. In diesem Jahr wurde sie generalüberholt. Im Dachboden der Sakristei findet sich an der ehemaligen Außenmauer ein spätgotisches Bild der Muttergottes vor dem Vorhang, ein aus dem Jakobus-Evangelium stammendes Motiv. Eine Besonderheit ist die noch original erhaltene Loreto-Kapelle des Meisters Jacob Auer aus dem Jahr 1694. Solche Kapellen sind die maßstabgetreue Kopie des Hauses der Gottesmutter Maria in Loreto bei Ancona in Italien. Es gibt weiters eine Anna-Kapelle, die Anfang des 18. Jahrhunderts mit Fresken des Malers Antonio Mazza ausgestaltet worden ist. Leider sind diese, soweit überhaupt noch vorhanden, übertüncht. MADONNA // Loretokapelle HOCHALTAR // aus dem Jahr 1735 BELEUCHTET Pfarrer Ludolf Miesbauer ist seit über 40 Jahren im Priesteramt. Er ist Prämonstratenser Chorherr von Schlägl und betreut seit 1987 die Pfarrgemeinde Pfarrkirchen. Er war es auch, der in seinem ersten Amtsjahr in Pfarrkirchen beim Ordnen des Archivs die Belege für Freskoarbeiten von Meister Carlone fand und das Bundesdenkmalamt informierte. – 11 –


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