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Lumen_2015

> STIFT < Öffnungen an der Ostseite des Hofes erbaute man in den 1880er Jahren, als man das darüberliegende Betzimmer erweiterte. Um 1960 erfuhr der Kreuzgang durch Architekt Franz Riepl eine umfassende Neugestaltung, die sich vor allem in den heutigen Fensteröffnungen zeigt. Allerdings wurde dieses Projekt damals nicht vollendet. Kein Gebäudeteil des Stiftes Schlägl hat so oft ein neues Gesicht bekommen wie der Kreuzgang. Vielleicht ist dies auch ein Bild für die klösterliche Gemeinschaft. Sie wechselt ihr Gesicht ständig. Mit jedem Eintritt, mit jedem Todesfall ändert sich seit fast 800 Jahren die Zusammensetzung des Konvents, und auch die Fragen und Anforderungen, vor denen wir heute stehen, sind andere als in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten. Aber der Grundauftrag bleibt derselbe. Schlägl wurde gestiftet, um den Menschen, die sich hier ansiedelten, das Evangelium zu verkünden und ihnen eine geistliche Heimat zu geben. Und das ist auch heute unser Auftrag: verwurzelt in Gott den Menschen die frohe Botschaft zu bringen. Dass der Kreuzgang uns an unseren Auftrag erinnert, die Verbindung zu Gott und den Menschen zu pflegen, dazu möge auch dienen, dass er künftig öffentlich und frei zugänglich ist. Und so soll er nun wieder die Brückenfunktion zwischen Kloster und Welt wahrnehmen, in aller Schlichtheit, wie es sich Bernhard von Clairvaux und Norbert von Xanten vorgestellt haben, aber in Entschiedenheit und Treue zum Auftrag Jesu. VERBINDUNG // Blick in den Kreuzgang mit Kreuzigungsgruppe aus dem frühen 17. Jahrhundert. Der Kreuzgang war das Gebäude des Alltags, an dem sich beständig Heiliges und Profanes miteinander mischten.“ Dorothea Weltecke – 21 –


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