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Lumen_2015

Veränderung, Wandlung ... Es ist eine Ursehnsucht im Menschen, sich gemütlich niederzulassen, geborgen und daheim zu sein. THEMA // Abt Martin Felhofer – 3 – Wo es dem Menschen gefällt, dort möchte er seine Zelte aufschlagen und bleiben. Aber zugleich weiß er auch, dass er sich in dieser Welt nicht für immer einrichten kann. Er muss sich ständig von neuem auf den Weg machen, immer wieder aufbrechen und Veränderungen zulassen. Das erzeugt natürlich Unsicherheit, oft auch Angst. Wer sich aber nicht auf Neues einlässt und auch die Zeichen der Zeit nicht erkennt, dessen Leben erstarrt. Die Grundstimmung unserer Zeit ist nicht die des Aufbruchs, wie etwa in den späten 60er Jahren, in der Zeit meines Theologiestudiums, als durch das Konzil in der Kirche eine starke Aufbruchsstimmung herrschte. Heute ist es eher die Grundstimmung des Bewahrens und oft auch der Resignation. Und in diese Situation hinein hat uns wohl der Hl. Geist Papst Franziskus geschenkt. Er ist glaubwürdig, mutig und drängt auch zu Veränderungen. Er setzt dazu Zeichen durch sein Leben, bringt unkonventionelle Botschaften: Sein Charisma tut wohl. Die Enzyklika „Laudato si“ ist aus Sorge um das gemeinsame Haus ein Weckruf an jeden Einzelnen und die Welt zu einem Überdenken der Lebensgewohnheiten und – wie er es nennt – zur „ökologischen Umkehr“. Papst Franziskus beendet sein Schreiben mit zwei Gebeten für unsere Erde und einem christlichen Gebet mit der Schöpfung. Manche sagen: „Wozu beten? Handeln müssen wir!“ Ich halte es mit dem weisen Wort von Albert Schweitzer († 1965): „Beten verändert nicht die Welt. Aber Gebete ändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt.“ Was den Mut zur Veränderung in der Kirche betrifft, dazu inspirieren mich große Männer und Frauen in der Kirchengeschichte, aber auch die tägliche Feier der Eucharistie. Wir tragen die Gaben zum Altar – also auch uns selbst – und bitten Gott, er möge sie wandeln. Wäre es nicht eigenartig, wenn wir beten: „Gott verwandle die Gaben, aber mich lass in Ruh!“ Schon lange berührt mich deshalb das Wort des Dichters Lothar Zenetti: Inkonsequent Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: Die Messe. Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: Die Wandlung. Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben, wie es ist! Beten verändert nicht die Welt. Aber Gebete ändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt.“ Albert Schweitzer > GEDANKEN ZUM JAHR <


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