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Lumen_2015

> SPIRITUALITÄT < Sich von Gott berühren lassen 900 Jahre Bekehrung des hl. Norbert. Anfänge eines Klosters sind oft mit dem (Lebens-)Thema „Verirren – Herausfinden“ verknüpft. So weiß auch die Gründungslegende des Stiftes Schlägl zu erzählen, dass Kalhoch von Falkenstein bei der Jagd immer tiefer in den dunklen Böhmerwald geriet und aus eigener Kraft nicht mehr herausfand. Er versprach, wenn er wieder heil nach Hause fände, zu Ehren der Gottesmutter Maria ein Kloster zu stiften. TEXT // H. Prior Lukas Menschen können sich im Leben „verrennen“, in Sackgassen, aus denen sie nur mit der Hilfe Gottes oder anderer Menschen wieder herausfinden. Nicht nur unser Ordensgründer, sondern auch Augustinus erlebte ein tiefes Berührtwerden von Gott und gab seinem Leben eine Wendung. Er hielt sich im Garten auf, sein Herz war aufgewühlt. Da hörte er aus dem Nachbarhaus ein Kind im Singsang wiederholen: „Nimm es, lies es; nimm es, lies es!“ So eilte er zur Bibel, die auf dem Gartentisch lag, schlug sie auf und las den ersten Vers, der ihm in die Augen fiel. Da strömte ihm Licht ins Herz und die Nacht des Zweifels verschwand. Ein Wort aus dem Römerbrief hatte ihn getroffen und ihm den Weg gewiesen. Lebensziel im Lebensstil Umkehr meint: Gott ins Spiel bringen, das Herz von IHM ergreifen lassen. Es bedarf, wachsam und mit offenen Sinnen zu leben, damit wir Gott in unserem Alltag aufspüren können. An unserem Lebensstil soll das Lebensziel sichtbar werden (Willi Lambert). Christi Beispiel ist uns Christen Maßstab. In diesem Sinne versprechen wir bei unserer Profess „Bekehrung des Lebens“, eine tägliche Bekräftigung, mit Christus zu leben. Vielfach machen wir die Erfahrung, dass die Herausforderungen des alltäglichen Lebens uns in Beschlag nehmen, sodass wir den Appetit auf Gott verlieren und schließlich die Zweifel Einzug halten. Umkehr meint hier, sich wieder aufs Neue Gott zuzuwenden. Sehnsucht nachspüren Wenn die viele Arbeit uns blind macht für das (geistliche) Leben, dann gilt es, die Sehnsucht nach einem „Mehr an Leben“ zu hören. „Soll das wirklich alles im Leben gewesen sein?“ Dies deutet auf eine innerliche Unzufriedenheit hin, wie wir zurzeit das Leben leben. Wenn diese Frage in mir hochkommt, ist es meist so, dass ich gelebt werde (Termine, Verpflichtungen, Sorgen …) und nicht mehr selber das Leben gestalte. Umkehr meint hier: tief hineinhören, der inneren Lebendigkeit nachspüren und meiner Sehnsucht nachgehen. Tolle lege – nimm und lies Gemeint ist hier die Hl. Schrift. Im Wort liegt Kraft, es hat eine Wirkung und kann verändern. Sobald Menschen im Wort der Hl. Schrift erfahren: „Dieses Wort ist zu mir gesagt!“, hat es die Kraft, das Leben zu verändern. Friedolin Stier, Theologe und Bibelübersetzer, erzählt in seinen Aufzeichnungen, dass das WORT GOTTES in eine Stadt kommt, an die Haustüren klopft und keinen Einlass findet. Zuletzt klopft es an die Tür eines Theologen. Die „Alles beginnt mit der Sehnsucht, immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. Das ist des Menschen Größe und Not: Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe. Und wo Sehnsucht sich erfüllt, dort bricht sie noch stärker auf. Fing nicht auch deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an? So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen, dich zu suchen, und lass sie damit enden, dich gefunden zu haben.“ Nelly Sachs 2015 – 4 –


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