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Lumen_2015

> KONVENT < Jahr der Orden – Identität vor Funktion Unsere moderne Gesellschaft funktioniert stark nach dem Prinzip der Funktionalität. Man muss funktionieren, um bestehen zu können. Wenn ich im Jahr der Orden, das noch bis 2. Februar 2016 dauert, persönlich öfters nachgedacht habe, was das Ordensleben ausmacht, stellt es für mich einen Kontrapunkt zum Funktionalitätsdenken dar. TEXT // H. Maximilian, Kooperator in Sarleinsbach und Putzleinsdorf Sicher braucht eine Ordensgemeinschaft auch Funktionsträger. Jeder Mitbruder muss nach seinen persönlichen Fähig- und Möglichkeiten Funktionen wahrnehmen, damit die Gemeinschaft funktionieren kann. Aber bloßer Funktionsträger zu sein, wäre für Ordenschristen zu wenig. Das Christliche kann sich niemals an eine Funktion binden, sondern immer nur an die menschliche Identität. Vor allen Funktionen geht es um die Identität, um meine Lebensform, mit der sich der Glaube verbinden kann. Denn Glaube lässt sich nicht einfach aus der Persönlichkeit herausfiltern. Als Ordenschristen sind wir hier nichts anderes als jeder Christ. Wir sind Menschen, die versuchen, die göttliche Gegenwart mit der persönlichen Identität zu verbinden, und als Identitätsträger leben. Der einzige Unterschied ist, dass Ordenschristen diese Identität etwas radikaler leben bzw. versuchen, sich dem Anspruch dieser Radikalität zu stellen. Mich hat das Jahr der Orden zum persönlichen Nachdenken angeregt, ... was die christliche Identität braucht. Drei Gedankengänge sind mir dabei bewusst geworden: Christliche Identität braucht Gottesbewusstsein Der erste Beziehungspunkt ist das Gottesbewusstsein. Wir leben davon, dass Gott uns ruft und wir bei Gott daheim sind. Identität bedeutet Heimat. Das stellt uns die Frage, was Gott für uns persönlich bedeutet. Wir finden Gott nicht irgendwo, weit draußen, sondern in unserem Leben. Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Joh. 6,68 2015 – 8 –


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